Neulich war der Kindergarten hier. Sieben minikleine Menschen, die den WeidenHof besuchen – oder besser gesagt, die Schafe des WeidenHofes – und sich über ein paar Wochen lang haben zeigen lassen, was eine Schäferei alles ausmacht und wie es ist, mit Schafen zu leben. Die Kinder - mit Heu in den Haaren, auf den Mützen, matschverschmiert und frische Luft atmend. Die Schafe -leckerbissenversessen, streichelverrückt oder auch aufgeregt distanziert beobachtend. Wesen, die sich so fremd nicht sind. Wie wir alle. Eigentlich kennen wir alle dieselben Gefühle, große Menschen, kleine Menschen, Federtragende, Hörnertragende, Wollnasen. Wir alle sind, auf das Wesentliche reduziert: fühlende Wesen.

Dann steht man da als Schäferin und versucht, den Überblick zu behalten. Dass die Schafe nicht durch die offen gelassene Stalltür entschlüpfen, die schüchternen Schafe ihren Rückzugsraum behalten können, die Kinder nicht über die Raufen purzeln, die Schafe nicht das Frühstücksbrot der Kinder aufessen, einzelne Fragen auch aufmerksam gehört und beantwortet werden, die Fütterungsarbeit so erledigt wird, dass nicht alles durcheinander geht und auch das Aua! Im Hintergrund weggetröstet wird. Und in all dem Gewusel ertönt die Frage: „Darf man die auch knutschen?“ Was für eine tolle Frage!

Aber ja doch! Bitte, sehr gerne sogar! Habt ihr schonmal ein Schaf gesehen, das sich über Zuwendung (ich nenne das ja immer Liebe) freut? Nein? Dann habt ihr noch keins geknutscht. Also ergossen sich hunderte von niedlichen Kinderknütschen auf kuschelige Schafnasen. Und die Schafe knutschten zurück.

Es gibt kaum glücklichere Momente, als solche. Deswegen bin ich Schäferin. Naja, unter anderem, natürlich. Meist sehe ich zu, dass alle optimal versorgt sind, diskutiere mit meiner Schaftierärztin über die fachlichen Spitzfindigkeiten der Herausbildung von schäfischer Immunität, nehme den Obhutsauftrag, der mir als Hirtin der Herde mitgegeben wurde, sehr ernst und sehe zu, dass unter meinem schäferischen Können zufriedene, runde und glückliche Schafe auf diesem Hof umherziehen. Hier und da eine Fachsimpelei mit einem anderen Schäfer, Wasserkanister schleppen, Heu in Raufen stopfen, Schaffüße pflegen und Schafen beim Kauen zusehen. Und dann kommen diese Kinder und knutschen Schafe. Und man weiß wieder, wo all das seinen Anfang nahm. In der Begegnung und dem Berührt-sein durch das andere Wesen – in diesem Fall das Schaf. Wenn diese Begegnung liebevoll ist, dann kommt ganz von selbst der Wunsch, es diesem Wesen so schön zu machen, wie man nur kann, immer weiter zu suchen nach dem bestmöglichsten Leben, das man diesem anderen Wesen geben kann.

„ich glaub, mich knutscht ein Schaf.“ Hat wohl die Bedeutung, dass man sich gerade vom Leben geliebt fühlt. Dass man einfach innehalten darf und lächeln. Dass jetzt in diesem Moment einfach alles gut ist.