Nee, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Was man als „normalsterblicher nicht-landwirtschaftlich tätiger Mensch“ oftmals gar nicht weiß, ist all die Pflege, das gute Auge und die Beziehung, die man auch für und zu den Weiden eines Hofes haben muss. Man kann so eine Weide auch ganz schön ramponieren, je nachdem, was man tut. Oder man kann sie aufblühen lassen. Das liegt ganz in der Hand des Menschen, der sie mit seinen Tieren beweidet.

Zuerst ist da die Frage nach der Tierart, mit der man rausgehen will. Sind es kleine leichte Schafe, die durch ihren hohen Stoffwechsel und der anstrengenden Zeit der neugeborenen Lämmer im ausgehenden Winter eine kleine Eiweiß- und Energiezugabe gebrauchen können? Oder sind es große, schwere Kühe, die eine gerade aufkommende Wiese einfach platttrampeln und viel mehr Masse und Rohfaser für ihren gemütlichen Kuh-Stoffwechseln brauchen?

Dann die Auswahl der Fläche. Welche soll es ein? Wo ist es noch zu nass, zu wenig gewachsen, wo muss zum Beispiel gleichzeitig eine Hecke geschnitten werden? Wo soll später noch gemäht werden und wo waren die Tiere zuletzt im vergangenen Jahr? All das sind immer spannende Fragen im Frühjahr, wenn die Tiere schon mit ihren Klauen scharren und darauf warten, das endlich das bekannte „Aaaauuuf geht’s!“ ertönt und die Stalltüre geöffnet wird.

„Die Wiese muss zweimal gelb (Blütenfarben von Löwenzahn und Hahnenfuß) gewesen sein, bevor man rausgeht.“ Gilt für die einen. „Wenn‘s in den Augen kitzelt, ist’s zu lang.“ Sagt man für die anderen. Jeder hat da so seine eigenen Weisheiten und -sprüchlein, anhand derer wir täglich das Wachstum der Weiden ausspähen. Dahinter stecken oft unglaublich komplexe Zusammenhänge, die wir im Hinterkopf haben, wenn wir mit unseren Tieren über die Weiden des Hofes ziehen. Von der Ernährungssituation der unterschiedlichen Tierarten, über die gleichmäßige Beweidung der verschiedenen  Pflanzenarten (um Verdrängung beliebter Pflanzen durch wenig gefressene unbeliebtere zu vermeiden), dann Intakthalten der Grasnarbe, Erholungspausen für die Weiden, Wechselbeweidung zur Minimierung des Parasitendrucks für die einzelnen Tiere, die Gewinnung von Winterfutter bis hin zur Gestaltung der Weiden als kräuterreich und schön natürlich gewachsen gibt es einiges, was dazu gehört, wenn Weidetiere auf ihre Weide sollen.

Zumindest ist das für uns so, denn das ist für uns WeidenHöfler eine nachhaltige und sinnvolle Beweidung. Nicht zu vergessen, die zusätzliche Pflege durch Heckenschnitt, Abschleppen im Frühjahr wegen der Maulwurfshügel, Nachsähen, wo nötig, Walzen, Mulchen, wo die Beweidung zu ungleichmäßig ausgefallen ist und auch mal ein bisschen Mist. Die Tiere helfen uns dabei, denn sie lassen in der Weidezeit ihren Dung da, wo sie geschlafen haben oder kauend rumstehen und bringen so kontinuierlich Nährstoffe wieder zurück.

Es ist also schon eine kleine Kunst, die Weiden grün zu malen, aber relativ klar und einfach, wenn man ein Auge, ein Händchen und ein Tierchen dafür hat. Besonders beeindruckend sind Wiederbelebungsprojekte in Wüstengebieten in Afrika. Durch „holistisches Management“, wie einer der Projektleiter der Savannen-Projekte – Allan Savory – es nennt, werden sogar ausgedorrte Steppen nach jahrelangem umsichtigen Beweiden wieder mit kniehohem Gras bewachsen. Dazu gehört das ganze Zusammenspiel von Boden, Pflanzenarten, Tierarten, Menge der weidenden Tiere und ihr Dung und die Zeiträume der Beweidung in Dauer und Wiederholung. Es liegt eben in der Hand des Menschen, auszunutzen und zu zerstören, oder durch sinnvolles Nutzen zu beleben.

Als wir Anfang 2012 auf den WeidenHof kamen, waren die Weiden von Pferden ausgezehrt und jahrelang nicht gepflegt. Im ersten Jahr gab es Weidestücke, die wir mangels Bewuchs gar nicht beweiden konnten. Nach nur vier Jahren – man merkt es kaum, weil man ja tagtäglich draußen unterwegs ist und seinen Blick an die neuen Weidezustände gewöhnt hat – haben sich unsere Weiden allesamt unglaublich erholt. Erst, als wir neulich auf alte Fotos gestoßen sind, ist uns aufgefallen, wie krass die Veränderungen jetzt schon sind.