Vor fünf Jahren….

…. war der alte Weidenhof (ohne „H“) noch ein verfallenes, vergessenes Stück Land, das als potentiell bewirtschafteter Hofboden vor sich hinschlummerte. Im „Dornröschenschlaf“ befindlich wurde dieses Land und der auf ihm ruhende Hofteil, also die Gebäude und Infrastrukturen – bezeichnet. So oder so ähnlich kann man das nennen, das efeuumrankte Haus zeugt ja immernoch von dieser Zeit. Das Land schien sich wieder in den alten Moor-Traumzustand begeben zu wollen, denn wo heute drei Folientunnel und zwei Thermogewächshäuser stehen und um die 60 Feingemüsekulturen, bzw. Kräuter wachsen, gab es damals nur Sandkastensand und Quecke. Ein Brachland wie aus dem Bilderbuch. Büsche, Hecken und Bäume überwucherten Wege, verdrängten Wiesen und uferten in die Flächen aus, Wirtschaftsplätze wie die neben Ställen, Dächern und Häusern waren zugewachsen, Wirtschaftsräume waren zugemüllt, hatten kaputte Dächer oder waren verfallen, Wohnmöglichkeiten mussten gutwillig als solche anerkannt werden. Es krähte auch kein Hahn auf dem Weidenhof, niemand muhte, bellte oder rief im Kanon nach nochmäähhhr Heu.

Dennoch hatten wir – oder vielmehr hatte es uns dieser Hof vor fünf Jahren angetan. Diese wunderschönen kleinteiligen Weideflächen rund um den Hof, die vielen Hecken als Lebensräume für so viel Kleingetier, als Schattenspender, während man im Sommer mit vollbeladener Schubkarre zu seinem Arbeitsplatz ginge, wo einen die fröhlichen Vierbeiner schon rufend erwarten, und als schön strukturierte Landschaft für ein wunderbares Hof-leben. Der Garten, gleich beim Haus, aus dem kistenweise das leckere Gemüse getragen werden würde. Das kleine Backhaus, das zum Ausprobieren einlud. Oder die Stille, in der der Hof liegt, umgeben von seinen Flächen, dem Wald und den Wiesen und Äckern drumherum.

Man müsste es nur zum Wohnen etwas behaglicher machen, was selbstredend für anwesende Vierbeiner gilt, ein paar Wege freischneiden, hier und da etwas reparieren, ein paar Dächer neu machen, versuchen, durch Gemüseanbau den Sandboden mit der Zeit in Erde zu verwandeln - vorausgesetzt hier wächst was - was auszuprobieren wäre, ein paar Räume entrümpeln und nach und nach die nötige landwirtschaftliche Infrastruktur schaffen, ein paar Maschinen herbeischaffen, Geräte und Werkzeug nachrüsten, die Weiden versuchen, etwas aufzupäppeln, alle Tiere herholen, die zu unserem Hof dazugehören sollen, Menschen finden, die mit uns diese andere Landwirtschaft machen wollen und die Hoferzeugnisse genießen möchten und dann eben laufend ausbessern und noch schöner machen. Eben unseren WeidenHof schaffen.

Vieles davon haben wir geschafft, einiges davon bleibt noch zu tun und wird uns noch längere Zeit beschäftigen. Aber zumindest ist er aufgewacht, dieser Weidenhof zum (Weiden)Hof, mit seinem leckeren Gemüse aus Freiland oder bedacht, seiner fleißigen Hühnerschar, die sich zu einer besonders schönen aus Marans und Bresse entwickelt (natürlich mit Unterstützung unserer Tiggers), seinen Liefertouren und der ganzen Organisation dahinter in den Depots und auf dem Hof, seinen Mitgliedern, die mit dem Hof zusammen eine andere Landbewirtschaftungsform ermöglichen, den teilweise neuen oder reparierten Dächern, den Hängern, Treckern und dem ganzen anderen Arbeitszeug, das aus allen Dächern und Nähten quillt, den selbstgezogenen Jungpflanzen, den besonderen Gemüsesorten, den wachsenden und gedeihenden Herden von Schafen und Kühen, mit zugepachtetem Land, mit Getreide gefüllten Speichern, mit drei Filmen, die über diese Landwirtschaftsform auf dem Hof berichteten und noch einigem mehr.

Fünf Jahre scheinen lang, wenn man sie sich als Jahreszahl vorstellt. Aber irgendwie sind sie auch kurz. Manchmal merkt man nicht, was eigentlich passiert ist in der Zeit. Es gibt ja noch so viel zu tun und man hat noch einiges vor. Über lang oder kurz ist jedenfalls einiges entstanden hier und manchmal staunt man, was alles so möglich ist.