„Was in der Wolle gefärbt ist, behält alle Zeit seine Farbe.“ Sagt ein altes schlesisches Sprichwort. Und spielt darauf an, dass ein Stoff seine Farbe entweder daher haben kann, dass das fertige Tuch gefärbt wurde oder bereits die Wolle, die dann zu ebendiesem Tuch verarbeitet wurde, wobei die zweite Lösung eine dauerhaftere und schönere Variante der handwerklichen Arbeit darstellt. Es geht hier also um Echtheit, „Nicht-Verblassen“, Unverfälschtheit, Vertrauenswürdigkeit, Authentizität und was einem in diesem Kontext noch so alles einfällt.

Wolle
Wolle


Wer schonmal Rohwolle – also wie sie vom Schaf fällt beim Scheren – verarbeitet hat und irgendwann den fertigen Pullover in der Hand hielt, der weiß, von wieviel Anstrengung hier die Rede ist. Vom Sortieren, übers Waschen, Kämmen, Spinnen und dann erst Stricken läuft jede Faser zig-mal durch die eigenen Hände. Wieder und wieder begegnen sich Hand und Faser und jeder Arbeitsschritt prüft die Menschenhand erneut, ob sie das, was sie da tut, auch wirklich ernst meint. Wenn nicht, kann man so eine anstrengende Sache doch einfach lieber sein lassen.


Genauso anstrengend ist es, alles was wir tun, auf diese Weise zu prüfen, ob es „in der Wolle gefärbt ist“. Aber mal ehrlich, eigentlich suchen wir alle doch diese „Echtheit“. Nur dass sie manchmal nicht so einfach zu finden ist. Welche Farbe unsere Wolle hat, ist dabei egal. Also was wir tun und wer wir sind, ist frei. Nur „echt“ soll es sein, vollständig und unverfälscht. Das, was wir tun soll sich gut anfühlen. Weil wir uns dann gut fühlen. Für uns selbst und miteinander.
Das kann man auch ausweiten und – im Falle des WeidenHofes – fragen, welcher Umgang mit den Tieren sich gut anfühlt. Nach der Schur tat es im letzten Jahr fast weh, zu sehen, dass all die gute Wolle der Schafe auf dem Misthaufen landete. Wofür lassen dann etliche Wollnasen gute Fasern wachsen, wenn die nur noch wie Abfall behandelt werden können? Das geht den allermeisten heimischen Schäfern so. Wolle ist kaum noch begehrt, es gibt Kunstfaser, die für viel outdoortauglicher befunden wird, Wolle von heimischen Schafrassen kratzt auf der Haut und man kauft bevorzugt seidige Wollkleidung von Merinoschafen aus Neuseeland. Kaum jemand weiß noch, dass es auch andere Schafrassen gibt, die genauso weiche Fasern wachsen lassen, es gibt kaum noch Verarbeitungswege für heimische Wolle, weil dieser handwerkliche Zweig ablebt und glücklicherweise noch von ein paar wollbegeisterten Spinnerinnen aufrecht erhalten wird. Dass die Schafe in Neuseeland zu zehntausenden leben müssen, was ihrer Art absolut nicht mehr entspricht (Schafe leben natürlicherweise in Familien- und Freundschaftsverbänden von ungefähr 20 Individuen), weiß auch kaum jemand. Dass sie dort oft qualvollen Prozeduren unterworfen werden, die sich entwickelten, da die Wolllieferanten von Übersee ihre Exportgier durch das Ausbeuten jedes einzelnen Schafs zu stillen suchten, ist auch nur unter Wollliebhabern bekannt und auch nicht längst allen.

Wolle
Wolle


Genug des Jammerns. Wir haben Wolle. Wir wollen damit was machen. Irgendwo muss man ja anfangen. Gut, seidene Unterhemdchen werden wir nicht so schnell herstellen. Aber wie wäre es mit wunderbaren, regional gefertigten Teppichen, die wunderbar kuschelig vors Bett oder vor den Sessel beim knisternden Kamin im Winter passen? Also haben wir sortiert. Wir haben uns einige der Arbeitsschritte erspart, das geht nicht anders auf so einem geschäftigen Hof wie hier. Aber jetzt stehen wir vor dem ersten Packet mit gigantischen Knäulen aus Teppichgarn. Weißes, flauschiges Garn aus der Wolle der WeidenHof-Moorschnucken und haben leuchtende Augen. Ich habe gelernt, dass der Jutekern des Teppichgarns „Seele“ heißt. Wie schön. Wolle von unseren Schafen, die eine Seele hat. Keine Exportgier, kein Wegrationalisieren, keine Effizienzsteigerung, kein Geschäftsmodell, keine Gewinnmaximierung steht hinter der Entstehung dieses Teppichgarns, sondern der Wunsch, diese kostbare Flauschigkeit, die uns von unseren lieben und treuen Schafen geschenkt wird, nicht wie Abfall zu behandeln. Etwas herzustellen, was sich gut anfühlt und zu wissen, dass die Zeit, in der es gewachsen ist, für alle beteiligten Wesen gut war.  
Also, färben wir in der Wolle und spinnen mit Seele!