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Weidenhof in Lünzen: Solidarische Landwirtschaft ist gefragt /Hoffest

LÜNZEN (mk). „Wir hatten im Sommer sehr, sehr viel zu tun“, erklärt David Goertsches. Eigentlich hat er sich nach anstrengenden Monaten „zwei bis drei Tage freigehalten.“ Trotz dieses „Kurzurlaubs“ ist er am vergangenen Montag vor seinem Termin mit dem Heide-Kurier schon wieder auf dem Acker in Aktion. Irgendwo auf dem Hof ist immer etwas zu tun. Indes: Goertsches ist ebenso wie seine Mitstreiter zufrieden. Ihre Idee, auf dem über längere Zeit verwaisten Weidenhof in Lünzen eine solidarische Landwirtschaft zu etablieren (HK berichtete), scheint aufzugehen. „Wir haben im ersten Wirtschaftsjahr mit etwa 50
Anteilen kalkuliert. Inzwischen haben wir bereits 80 Mitglieder mit 100 Anteilen. Das ist ein schöner Erfolg, der uns zeigt, wie groß das Interesse
an einer anderen Art von Landwirtschaft ist“, so Goertsches. Diesen Erfolg möchten die Hofbetreiber gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Interessierten feiern. Am 5. Oktober gibt es deshalb ein buntes Hoffest mit Musik, Kindertheater und vielem mehr.

„Gemeinsam wirtschaften“ lautet das Motto der beiden jungen Familien von Goertsches und Heiko Wittler, die dem Weidenhof gemeinsam mit Mitstreiter Max Rehberg neues Leben eingehaucht haben und als kleinbäuerlichen Betrieb nach dem Modell der biologisch-solidarischen Landwirtschaft als Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft führen. Solidarische Landwirtschaft, auch unter dem Namen Community Supported Agriculture
(CSA) bekannt, ist ein Konzept, das in Deutschland zunehmend auf Interesse stößt. Es handelt sich um einen Zusammenschluß von einem landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Gruppe privater Haushalte. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Produktion verpflichtet sich die Gruppe von Verbrauchern dazu, regelmäßig im voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen, der mit dem Geld seinen Möglichkeiten entsprechend wirtschaftet.
Die Abnehmer erhalten im Gegenzug die Ernte sowie gegebenenfalls weiterverarbeitete Erzeugnisse. Weil die zwölf Hektar Äcker des insgesamt 62 Hektar umfassenden Hofareals rund zehn Jahre brach lagen, mußten die neuen Betreiber sie zunächst wieder urbar machen. „Das war eine große Herausforderung“, so Goertsches. Darüber hinaus legte sich die Gruppe Rinder zu, wobei sie sich für Salers-Rinder entschied, eine alte und sehr robuste französische Rasse. „Derzeit haben wir elf Mutterkühe und insgesamt 23 Tiere“, berichtet Goertsches. Auf dem saftigen Weideland des Hofes können sich die Tiere prächtig entwickeln. Das trifft auch auf die Hühner zu. Rund 100 Hennen und eine Handvoll Hähne leben auf dem Weidenhof. Ein Bio-Züchterbetrieb hatte die Tiere für die jungen Leute in Lünzen großgezogen, nun bewohnen sie eigens für sie hergerichtete Bauwagen, die die Weidenhof- Bewirtschafter in mobile Hühnerställe umgebaut haben. „Die beiden Bauwagen wandern jede Woche ein Stück weiter, damit die Grasnarbe der Wiese und ihre Bewohner sich zwischendurch auch wieder erholen können“,
erläutert Goertsches: „Auf den Wiesen finden die Tiere ein abwechslungsreiches Futterangebot.“ Außerdem bekämen sie Demeter-Legehennenfutter einer Mühle, die ausschließlich Biofuttergetreide produziere. Weitere Bewohner des Hofes, den die Bewirtschafter langfristig von der Stiftung Edith Maryon gepachtet haben, sind rund 30 Schafe - 20 Moorschnucken und zehn Milchschafe. Erst jüngst sind mehrere Lämmer geschlachtet worden. Zwar gibt es unter den Mitgliedern der Solidargemeinschaft auch Vegetarier, viele essen aber auch Fleisch. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des klein-bäuerlichen Betriebes können die Mitglieder,
also Anteilseigner, regelmäßig sowohl direkt vom Hof abholen, oder aber die Depots in Schneverdingen, Scheeßel und Rotenburg ansteuern. „Wenn wir ernten, dann beliefern wir diese Depots immer bis 12 Uhr. Frischer geht es nicht“, erklärt Goertsches. Und was sind das für Menschen, die sich für das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft begeistern und mitmachen? Dazu Goertsches: „Das sind nicht die ‚typischen Öko- Kunden‘. Das geht vielmehr quer durch die Gesellschaft - von Leuten aus der Werbebranche bis hin zum Tischler. Ich habe eigentlich gedacht, daß wir überwiegend junge Familien als Mitglieder gewinnen, aber der größte Teil ist über 40, 50 Jahre alt. Es sind viele dabei, die noch die Landwirtschaft aus früheren Zeiten kennen und es einfach gut finden, was wir hier
machen.“ Die Anteilseigner sollen nicht nur Kunden sein, sondern sich aktiv ins Hofgeschehen einbringen, wenn sie es denn möchten. „Einmal im Monat machen wir einen Mitgliedertag, bei dem jeder freiwillig mitarbeiten kann. Meist kommen zwischen zehn und 20 Mitglieder, um mitzuhelfen. Die Aufgaben gestalten wir immer so, daß auch Kinder dabeisein können - von der Kartoffelernte bis hin zum Zwiebelroden“, erläutert Goertsches. „Wir sehen uns generell als ‚offenen Hof‘. Deshalb freut es uns auch, daß immer wieder mal Einwohner aus der Gegend vorbeischauen, die den Hof von früher kennen und neugierig sind, was hier passiert. Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden. Auch die Landwirte aus der Umgebung unterstützen uns.“ Da die landwirtschaftlichen Tätigkeiten viel Zeit in Anspruch nehmen, kann das Weidenhof-Quintett andere Aufgaben nur peu à peu in Angriff nehmen. „Wir haben noch eine Menge vor“, betont Goertsches. Dächer müßten neu eingedeckt, die Gebäude weiter instandgesetzt, Schuppen abgerissen und erneuert
werden. Zunächst aber soll das erfolgreiche erste Wirtschaftsjahr gefeiert werden. Deshalb laden die Pächter am 5. August ab 12 Uhr zum Hoffest ein. Unter anderem gibt es um 15 Uhr im Zirkuszelt Theater für jung und alt. Die „Theaterimkerei SanneWeber“ zeigt das Stück „Mascha und der Bär“. Geboten wird Handpuppenspiel mit Tanz  und Live-Musik. Um 17 Uhr spielt „Klaus der Geiger“ alias Klaus von Wrochem, auch bekannt als „Asphalt- Paganini“. Zum Rahmenprogramm gehören eine Buttonmaschine, Kinderschminken, Siebdruck, Feuerspiele und Jonglage sowie Hofführungen. Für das leibliche Wohl wird mit Pizza aus dem Lehmkuppelbackofen, Bratwurst und Kuchen gesorgt. „Mit dem Fest möchten wird
auch zeigen, daß wir langfristig gern Kultur und Kunsthandwerk auf den Hof bringen möchten“, erklärt Goertsches