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Lünzen - Von Matthias Berger. Eine Gruppe junger Landwirte hat sich aufgemacht, um den Weidenhof zwischen Westervesede und Lünzen zu neuem Leben zu erwecken. Nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft soll dort ein kleinbäuerlicher Betrieb entstehen, der seinen Mitgliedern Erzeugnisse aus ökologischer Produktion liefert.

In Rotenburg, Ottersberg und anderen Orten will der „demeter“-Betrieb Depots ansiedeln, aus denen die Mitglieder ihre Lebensmittel abholen können. Weidenhof-Bauer David Goertsches erklärt die Vorteile der solidarischen Landwirtschaft.

 

Herr Goertsches, Gemüse-Abos sind derzeit in aller Munde. Was macht den Weidenhof so besonders?

David Goertsches: Wir arbeiten nicht nur nach Bio-Richtlinien, sondern nach demeter-Richtlinien. Wir treffen konkrete Absprachen mit unseren Mitgliedern und heben damit das Kundenverhältnis ein wenig auf. Nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft lassen wir sie am Hofgeschehen teilhaben.

Wie sieht die Teilhabe aus?

Goertsches: Wir stellen auf einer Mitgliederversammlung die Jahresplanung vor. Dort besprechen wir, wie der Hof in diesem Jahr geführt werden soll. Die Mitglieder können Wünsche äußern, was angebaut wird, welche Tierarten gehalten werden und wie sich der Hof insgesamt entwickeln soll. Wir geben den landwirtschaftlichen Rahmen vor und sagen was möglich ist. Der Etat wird durch die Anzahl der Mitglieder geteilt, um die laufenden Kosten eines Jahres zu decken.

Wo liegen die Grenzen der Mitbestimmung?

Goertsches: Eine Grenze sind die demeter-Richtlinien, die wir einhalten müssen. Zudem gibt es Grenzen, die durch das Klima vorgegeben sind. Wir können nicht in Massen Paprika anbauen. Dafür müssten wir für mehrere hunderttausend Euro ein Glashaus mit Klimaführung bauen. Diese Kosten würden die Mitglieder nicht mehr mittragen.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von der solidarischen Landwirtschaft?

Goerthsches: Die Vorteile liegen sowohl auf der Produktions- als auch auf der Kundenseite. Wir haben eine genaue Anzahl an Mitgliedern, daher können wir genau kalkulieren, welche Produkte wir in welcher Menge anbauen müssen. Wir beliefern also nicht einen anonymen Großmarkt, auf dem beim Tagesgeschäft ein großer Preisdruck herrscht. Unsere Mitglieder haben den Vorteil, dass sie die Landwirte kennen, die ihre Lebensmittel produzieren. Sie können Wünsche äußern, was wir anbauen, haben die Möglichkeit, den Hof zu besichtigen, bekommen regionale und saisonale Produkte.

Die Konsumenten gelten als verwöhnt. Müssen ihre Mitglieder, vor allem im Winter, auf Genuss verzichten?

Goertsches: Nein. Wir werden auch im Winter regionale Produkte anbieten. Zudem besteht die Möglichkeit, Sommergemüse einzukochen, einzulegen oder zu trocknen. Die Tomate aus dem Süden ist im Winter oft auch nicht das, was man von einer Tomate erwartet. Wir versuchen, den Mitgliedern Rezepte an die Hand zu geben, denn vielen Menschen fehlt heute das Wissen, wie man zum Beispiel Rote Bete oder Pastinaken zubereitet. Daraus kann man durchaus ein genussvolles Essen zubereiten.

Der Weidenhof soll auch zu einem Erfahrungsort werden. Was wollen Sie vermitteln?

Goertsches: Wir wollen keine romantisch verklärten Veranstaltungen, sondern ein Bild der kleinbäuerlichen Realität vermitteln. Wir wollen zeigen, wie der Werdegang einer Pflanze oder eines Tieres ist, eine ganzheitliche Sicht auf die Landwirtschaft, wie wir sie auf dem Weidenhof betreiben.

Stichwort Tier: Keines Ihrer Mitglieder kann erwarten, täglich von Ihnen Fleisch zu bekommen, oder?

Goertsches: Das wird schwierig. Das ist aus unserer Sicht nur über den Zukauf großer Mengen an Kraftfutter möglich, mit dem man die Tiere mästet. Wir liefern Fleischprodukte, die qualitativ hochwertig sind: Lamm und Rind, Salami, Pinkel – je nach Wünschen der Mitglieder. Zudem werden wir Hühner halten.

Sehen Sie sich als Gegenbewegung zur herkömmlichen Landwirtschaft?

Goertsches: Man kann es so sehen. Die ökologische Landwirtschaft, auch wenn sie oft als romantisch oder rückständig betrachtet wird, ist durchaus in der Lage, in ausreichendem Maße Lebensmittel zu produzieren. Wir möchten uns den Produktionsbedingungen der industrialisierten Landwirtschaft mit Kunstdünger und Pestiziden, die im Mais- und Rapsanbau verwendet werden, entziehen. Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft betreiben, die möglichst vielfältig und kleinbäuerlich ist und nicht nur auf Masse setzt, sondern auch auf Qualität.

Was macht den Weidenhof so geeignet für ihre Form der Landwirtschaft?

Goertsches: Der Weidenhof ist lange Jahre als demeter-Betrieb geführt worden. Der damalige Bauer hat einige ökologisch wertvolle Maßnahmen durchgeführt, Hecken angepflanzt, Teiche angelegt. Maßnahmen im Sinne der Biodiversität, die zu der Zeit verschrien waren, die mittlerweile sogar gefördert werden. Die Flächen sind unbelastet, hier hat lange Jahre keine konventionelle Landwirtschaft stattgefunden.

In welcher Beziehung stehen Sie zu der Stiftung Edith Maryon, die Ihnen den Hof verpachtet hat?

Goertsches: Wir haben uns dort mit einem Konzept beworben. Wichtig für die Stiftung war, dass wir hier ökologische Landwirtschaft betreiben. Im Gegenzug wurden keine überhöhten Pachtforderungen an uns gestellt. Gerade in Zeiten, in denen der Mais-Anbau durch die Biogasanlagen so stark zugenommen hat, steigen die Pachtpreise extrem. Das macht es schwierig für kleinere Betriebe, Flächen zu adäquaten Preisen zu bekommen.

Wie geht es jetzt weiter?

Goertsches: Gerade sind wir dabei, uns bekannt zu machen. Am Dienstag haben wir um 19.30 Uhr die erste Infoveranstaltung im Rat- und Tat-Zentrum in Rotenburg geplant. Es folgen weitere Termine in Ottersberg und Schneverdingen. Im April steht dann die erste Mitgliederversammlung an.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.weidenhof.de