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Solidarische Landwirtschaft sucht Mitstreiter - Von André Ricci

Lünzen/Westervesede. Agrarwende – aber wie? Dass die Frage nach der Zukunft der Landwirtschaft viele Menschen umtreibt, zeigte sich zuletzt im Landtagswahlkampf, wo Massentierhaltung, Höfesterben und Biogas zu den Top-Themen zählten. Ein Projekt an der Kreisgrenze zeigt mögliche Alternativen zum Status quo auf.

Eine fünfköpfige Betreibergruppe übernahm im vergangenen Jahr den Weidenhof, den die Schweizer Edith-Maryon-Stiftung zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten zur Pacht ausgeschrieben hatte. Das zugehörige rund 60 Hektar umfassende, gut strukturierte Gelände im Außenbereich zwischen Westervesede und Lünzen besteht aus Wald, Dauergrünland, Acker, Teichen und Hecken. Dort soll ab kommenden April mitgliederbasiert und solidarisch nach dem international erprobten CSA-Prinzip (Community-supported Agriculture) gewirtschaftet werden. An die Stelle der üblichen anonymen Beziehung zwischen Erzeugern und Konsumenten tritt im Konzept der solidarischen Landwirtschaft eine Art Schicksalsgemeinschaft: Mitglieder entrichten monatliche Beiträge und verschaffen dem Landwirt dadurch ein festes Einkommen sowie eine relative Unabhängigkeit vom allgemeinen Marktgeschehen und den Risiken von Missernten. Im Gegenzug verteilt der Bauer seine ernte unter den Mitgliedern und richtet seine Produktion nach deren Wünschen aus. Gewirtschaftet wird streng ökologisch, unter Ausnutzung geschlossener Verwertungskreisläufe sowie ohne Kunstdünger, Gentechnik und intensive Haltungsmethoden. Ein offenes Hofkonzept mit Schautagen und Kulturangeboten soll größtmögliche Transparenz gewährleisten. Versuchsweise haben die Betreiber David Goertsches, Janina Schütte, Heiko Wittler, Anke Kurpanik und Max Rehberg 2012 schon einmal ein breites Gemüsesortiment angepflanzt, von Salaten über Kohl, Pastinaken, Zwiebeln sowie Möhren bis zu Kartoffeln und Mais. Auch erste Tiere sind schon eingezogen: Eine kleine Milchschafherde und zehn Moorschnucken bevölkern das Gelände. Hähnchen sollen ab 2014 dazustoßen. Im Übrigen hänge die weitere Entwicklung stark davon ab, was die künftigen Mitglieder beschließen. In diesem Jahr soll die Vermarktung beginnen. Waren können künftig direkt auf dem Hof sowie über fünf Lagerdepots bezogen werden. "In einem ersten Schritt streben wir 50 Mitglieder an“, sagt Agrarwissenschaftler Goertsches. Ziel sei es, in einem Zeitraum von drei Jahren etwa 120 Gesellschafter zu finden und den Hof dadurch kostendeckend betreiben zu können. Auf Info-Veranstaltungen in Rotenburg (Rat-und-Tat-Zentrum, 12. Februar, 19.30 Uhr), Ottersberg (23. Februar, vormittags, Ort noch unklar) Schneverdingen (Kulturstellmacherei, 6. März, 19.30 Uhr) und Scheeßel (Ort und Datum noch unklar) werden die Initiatoren ihr Projekt der Öffentlichkeit vorstellen und um Unterstützung werben.