Moorschnucken und Milchschafe auf dem WeidenHof
 

Unsere Schafe

Für die Schafhaltug auf dem WeidenHof war es uns wichtig, Bezug zu nehmen auf die ausgeprägte regionale Kultur und landschaftliche Gegebenheiten. Welche Schafrasse liegt da näher als die Schnucke…

Am westlichen Rand der Lüneburger Heide findet man schnell die nächste Schäferei mit grauen gehörnten Heidschnucken, deren wirtschaftliches Auskommen durch die Arbeit der Tiere in der Landschaftspflege erheblich verbessert wird. Für den WeidenHof ist das so nicht möglich. Dennoch haben wir uns ausgerechnet für die Moorschnucke entschieden, eine von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e.V. (GEH) als „gefährdet“ eingestufte Landschafrasse. Ihre Robustheit und Genügsamkeit erschien uns sinnvoll, um das Land im „Rieper Moor“ so zu beweiden, dass die Tiere mit dem vorhandenen Futterangebot gut ernährt werden können, mit nur geringem Aufwand für zusätzliche Nährstoffe. Im Sommer kann der Boden hier recht trocknen sein, da er so sandig ist, hat er keine Speicherkapazitäten, im Winter dagegen können Weiden relativ vernässt sein. Die Schafe sollten mit diesen Umständen zurechtkommen und sich unter guter Pflege gesund und stark entwickeln können.

Unterstützt werden die Moorschnucken von unseren Milchschafen, die wir auf den Hof mitgebracht hatten. Die kleine Herde, die vorhanden war, hilft uns von Beginn an, den Hof zu bewirtschaften. Nun geben sie erst mal Wolle, Fleisch und Felle und verbleiben bis auf weiteres im Schafstall, wer weiß, was man mit der Milch noch Gutes machen kann…

Im Sommer sind die Mütter mit ihren Lämmern auf einer gemeinsamen Weide, das gibt ein schönes buntes Bild von Moorschnucken und Milchschafen, weißen, schwarzen, gescheckten und wuscheligen Lämmern.

Moorschucken auf dem WeidenHof

Die Moorschnucke stammt aus den Moorgebieten Niedersachsens. Hier gab es die grauen gehörnten Heidschnucken, die weißen gehörnten und durch Einkreuzung hornloser Rassen auch die weißen hornlosen Heidschnucken. Diese wurde seit den 1920er Jahren eben „Moorschnucke“ genannt. Traditionell wurde sie im Raum Diepholz, Nienburg und Rotenburg seit Jahrhunderten gehalten - gehütet oder gekoppelt. Auf größere Fleischleistung gezüchtete Fleischschafrassen und sinkende Moor- und Heidebeweidung haben dazu beigetragen, dass die Moorschnuckenhaltung immer weniger wurde und dieses Schaf schließlich auf der roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haus- und Nutztierrassen (GEH) auftauchte.

Wir vom WeidenHof finden, dass das dieser schönen Schafrasse nicht gerecht wird. Sie ist hier heimisch und kommt mit den landschaftlichen Bedingungen bestens zurecht. Die Moorschnucke ist anspruchslos, genügsam, robust und vermag unter diesen Umständen noch eine ihr angemessene Leistung zu bringen. Ihre groben Oberhaare schützen sie auch gut vor Nässe und ihre dichte Unterwolle, die im Winter auch eine stärkere Kopfbewollung wachsen lässt, hält sie warm. Die Mütter lammen leicht ab und zeichnen sich durch hervorragende Muttereigenschaften aus, bestens geeignet als Mutterschafrasse auch einmal mit Böcken von schweren Rassen sog. „Gebrauchskreuzungslämmer“ hervorzubringen. Mit dem Futterangebot unserer Weiden kommen sie gut zurecht und brauchen viel weniger Zufütterung als unsere Milchschafe – und sehen dabei noch dicker aus als diese….

Das Fleisch der Moorschnucke ist durch das langsame Wachstum der Tiere besonders wertvoll, es enthält viele ungesättigte Fettsäuren. Es ist dunkler, magerer, würziger, fast wildbretartig und wird in Gourmet-Kreisen als Delikatesse gehandelt. Die Oberhaare des Vlieses sind etwas rauher, weshalb es nicht so einfach zu Kleidung verarbeitet werden kann. Die Unterwolle ist aber herrlich weich und gemischt lässt sich diese Wolle wunderbar verspinnen.

Natürlich braucht auch ein anspruchsloses Schaf eine adäquate Pflege und Betreuung. Unsere Moorschnucken überwintern im Folientunnel der Gärtnerei, wo sie Schutz in der kältesten Jahreszeit finden und dort auch bequem ablammen können. Auch eine Moorschnucke freut sich, wenn sie bei eisigen Temperaturen und Nässe für sich und ihr Lamm ein Dach über dem Kopf hat. Der Folientunnel ist sehr gut geeignet, da den Tieren das spärliche Tageslicht im Winter komplett zugutekommt und immer viel Frischluft vorhanden ist. Das ist für Schafe an sich noch wichtiger als Wärme, denn sie sind sehr empfindlich auf schlechte Stallluft und reagieren schneller als andere Arten mit Atemwegserkrankungen. Der Nässe- und Windschutz durch den Tunnel reicht völlig aus. Gleichzeitig düngen sie den Boden und im Frühjahr freuen sich wiederum die Gärtner darüber, wenn sie ihre Kulturpflanzen in den Tunnel bringen und die Schafe wieder auf die Weide gezogen sind.

Die Moorschnuckenhaltung ist für uns auf dem WeidenHof noch etwas Neues und wir sind begeistert von diesen Schafen. Die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften haben sich bis jetzt bestätigt. An ihrem Folientunnel-Winterquartier ist auch ein ständig erreichbarer Auslauf angeschlossen und manche der Mütter haben es sogar vorgezogen, ihre Lämmer im Schnee anstatt in dem erreichbaren Schutz von Stroh und Dach zur Welt zu bringen. Kurze Zeit drauf sahen wir die Schafmutter, wie sie der Herde ein gesundes, fideles Lamm präsentierte. Selbst zugefrorene Wassertröge stellen kein Hindernis dar, denn (wir wissen immer noch nicht wie…) sie hatten sich einfach ein Trinkloch gemacht.

Derzeit befindet sich die Moorschnuckenherde im Aufbau. Momentan sind es 16 Mütter inkl. deren Nachzucht. Die ersten Tiere haben wir 2012 vom Schäferhof Teerling erworben. 2013 haben wir wunderschöne vielversprechende Jährlinge von der Schäferei Paulus in Neudorf-Platendorf bekommen. Unser großer Moorschnuckenbock stammt ebenfalls daher und nun sind wir ganz gespannt auf die Nachzucht…

Milchschafe auf dem WeidenHof

Die kräftigen und großrahmigen Milchschafe sind wie alle Schafe relativ anpassungsfähig. Damit die Schafe in guter Kondition bleiben ist bei unseren Milchschafmüttern natürlich etwas mehr Aufwand nötig, als bei den Moorschnucken, so dass die Milchschafherde bis auf weiteres ein wenig kleiner bleiben wird. Außerdem ist das Milchschaf etwas anspruchsvoller in der Gesundheitspflege. Dennoch ist es als „Dreinutzungsrasse“ (Milch, Wolle, Fleisch) wunderbar vielseitig und dazu noch von einem sanftmütigen und anhänglichen Charakter. Geradezu hervorragend geeignet für eine CSA.

Wie ihr Name schon sagt, stammen sie aus Ostfriesland. Es gibt sie in den Farbschlägen weiß, braun und gescheckt, auch bei uns auf dem WeidenHof. Wo es auf den Marschlandweiden ziemlich feucht sein kann, wurde diese Milchschafrasse seit Jahrhunderten gezüchtet. Mit ein paar Regentagen kommen sie also ganz gut klar, allerdings mag es kein Schaf, wenn es von unten zu nass wird. Die Lämmer sind empfindlicher bei Kälte als die Schnuckenlämmer, also haben wir den alten Hühnerstall des WeidenHofs ein wenig umgebaut (unsere Hühner haben es ja viel komfortabler mit mobilem Stall und dadurch immer frischen Grün unter den Füßen, siehe dazu auch: unsere Hühner) und nun bietet er bequem Platz für die Milchschafmütter, um dort die Lammzeit zu verbringen. Es ist dort zwar ein wenig dunkler als bei den Schnucken im Folientunnel, aber die Anordnung der Fenster und Türen und der relativ hohe Raum führen zu guter Luftzirkulation und gesunder Stallatmosphäre. Mit Wärmelampen und einfachen abteilbaren Buchten können dort auch Lämmer versorgt und warm gehalten werden, die etwas schwerer in die Gänge kommen... Außerdem haben sie am Stall einen fest umzäunten, relativ großen Auslauf bekommen, so dass sie im Winter bei gutem Wetter den ganzen Tag draußen verbringen können.

Unser Milchschafstall und der Auslauf bieten uns zudem die Möglichkeit, auch mal alle Schafe unterzubringen, wenn es während der Weideperiode nötig sein sollte oder wenn Pflegemaßnahmen anstehen. Da die kleine Schafherde insgesamt langsam wächst, bauen wir dort nach und nach weiter aus.

Die zusätzliche Winterration für unsere Milchschafmütter besteht aus einem Hafer-Erbsen –Gemenge von unserem eigenen Acker. Wenn die Mütter gut versorgt sind, bringen sie kräftige Lämmer hervor und der Organismus des Mutterschafs kann den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf zu Beginn der Laktationszeit besser abfedern. Ihre hohen Ablammergebnisse sind momentan sehr willkommen, da die Moorschnuckenherde noch recht klein ist und alleine nicht gut mit der Fleischerzeugung für die Wirtschaftsgemeinschaft zurechtkommen würde. Mit der entsprechenden gesundheitlichen Fürsorge haben sie sich hier – so halb in der Heide – ganz gut eingefunden und sind durch ihr neugieriges und freundliches Wesen schon mit so manchem WeidenHof-Besucher in Kontakt gekommen. Auch mit Kindern kann man sie gut besuchen und ganz besonders: mal bei den kleinen Lämmern reinschauen…

Anke, unsere Schäferin hat auch einen Blog unter schaeferin.weidenhof.de.

In unserer Wirtschaftsgemeinschaft „gemeinsam wirtschaften“ gibt es auch Menschen, die sich mit der Wollverarbeitung beschäftigen. Die Milchschafwolle ist dafür natürlich toll, weil sie so vielseitig einsetzbar ist und sich genauso gut spinnen wie filzen lässt.