Die Haltung von Zweinutzungshühnern auf dem WeidenHof
 

Unsere Hühner

Nach einem Jahr der Erprobung von Zweinutzungshühnern auf dem WeidenHof wollen wir deren Haltung im nächsten Wirtschaftsjahr gerne ausweiten und Euch im Folgenden über die Hintergründe dieser Entscheidung informieren. Anschließend könnt ihr uns eure Meinung zu unserem Konzept mitteilen.
Üblicherweise stammen auch die Hennen auf Öko-Bauernhöfen aus industrieller Zucht auf eine möglichst hohe Legeleistung („Legehybriden“). Der Unterschied zu konventionellen Hennen entsteht dadurch, dass bereits die Elterngeneration der späteren Legehennen (nach demeter-Verordnung empfohlen auch die Großelterngeneration) unter Bedingungen des ökologischen Landbaus gehalten werden müssen. Von einem solchen demeter-Aufzuchtbetrieb haben auch wir bisher den Großteil unserer Legehennen erworben.
Die Kehrseite dieser sehr zuverlässig legenden Hennen, ist die Tötung der im Verhältnis 1:1 schlüpfenden männlichen Küken. Diese sind für eine wirtschaftliche Mast als Brathähnchen (zu konkurrenzfähigen Marktpreisen) nicht geeignet, Diese Praxis ist auch in der Ökologischen Landwirtschaft der Standard.
Um dieses massenhafte Kükentöten zu vermeiden, wurden in den letzten Jahren verschiedene Ansätze von Biobauern und Wissenschaftlern (allmählich aber auch in der konventionellen Landwirtschaft) entwickelt. Die Erarbeitung dieser Alternativen zum Kükentöten werden auch von einigen Stiftungen unterstützt (z.Bsp. Tierzuchtfond der GLS Treuhandstiftung).
Eine Alternative bietet beispielsweise die Bruderhahninitiative, welche die männlichen Küken trotz langer Mastdauer aufzieht, was nur über einen Aufschlag auf den Preis der Eier und eine sehr gute Vermarktung des Konzeptes wirtschaftlich überhaupt möglich ist.
Ein weiterer Ansatz ist die geschlechtliche Erkennung und Sortierung der unreifen Küken bereits vor dem Schlupf im Ei, was bisher allerdings in der Legehennenproduktion noch nicht praxisreif ist.
Weiterhin führt eine verlängerte Lebenszeit der Legehennen auf den Betrieben zu insgesamt verringerten Kükenanzahlen die ausgebrütet werden und damit auch zu einer geringeren Anzahl getöteter männlicher Küken. Diese verlängerte Nutzungsdauer geht aber mit der Durchführung einer ca. 5-wöchigen Mauser (Regeneration und Legepause) bei den Hühnern einher.Eine weitere Möglichkeit , die wir auch auf dem WeidenHof verfolgen, ist die Haltung von sogenannten Zweinutzungsrassen. Diese wurden in der Züchtung nicht in eine Richtung (entweder viele Eier oder ein guter Fleischansatz) gelenkt, so dass von den Hennen eine akzeptable Legeleistung (2/3 von der Legehybridenleistung) und von Hähnen und Hennen ein passabler Fleischansatz zu erwarten ist. Zwei solcher Zweinutzungsrassen sind die Bresse- und die Maranhühner, die in der Vergangenheit hauptsächlich in Frankreich gehalten und gezüchtet wurden. Die Mastdauer liegt mit ca. 4 Monaten zwischen den sog. Masthybriden (2 Monate bis zum Schlachtgewicht (Bio)) und den „Bruderhähnen“ (mit ca. 6 Monaten Mastdauer). Es müssen weder Eier noch Küken aussortiert werden und die männlichen Küken werden zu einem sehr wertvollen Lebensmittel, anstatt als Abfall entsorgt werden zu müssen. Ein weiterer Vorteil dieser Hühner liegt darin, dass wir sie selbst nachzüchten können und damit von den großen Zuchtmonopolen (4 Konzerne weltweit) unabhängiger werden.
Es bleibt aber noch viel Züchtungsarbeit zu tun, um die Leistung dieser Zweinutzungsrassen weiter zu verbessern und damit auch eine verbesserte Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Seit zwei Jahren gibt es eine Bresse-Zuchtstation auf dem Hofgut Rengoldshausen (demeter); unsere Bressehennen (auch die Masthühnchen) von letztem und diesem Jahr stammen überwiegend von dort. Einige weitere demeter-Höfe halten und züchten bereits Maranhennen, so dass wir in der Lage sind, den Großteil der Bruteier für unsere Nachzucht von demeter-Betrieben zu bekommen. Zukünftig werden wir auf immer weniger Zukauf angewiesen sein, da wir vermehrt eigene Bruteier ausbrüten können. Diese Strategie bedeutet andererseits auch einen erhöhten Arbeitsaufwand für Organisation, Aufzucht und Mast der Hühner, sowie einen erhöhten Futterzukauf, welcher geringere Kosten für den Zukauf der Legehennen (und Masthybriden, die wir alternativ zu Zweinutzungshühnern mässten könnten) gegenüberstehen.
Wir halten zur Zeit 22 Bressehennen und 2 -hähne, sowie 13 Maranhennen mit 2 -hähnen und ca. 110 Legehybriden und 4 Hähne dieser Herkunft. Es sollten eigentlich mehr Zweinutzungs-Hennen sein, aber das lässt sich eben doch nicht ganz genau planen, wenn wir nicht „fertige“ Junghennen bestellen und eine bestimmte anzahl an Masthühnchen liefern wollen.
Ab September diesen Jahres wollen wir je 60 Maran- und 60 Bressehennen halten. Zusätzlich werden wir wieder 60 Legehybriden einstallen. Dies erscheint uns sinnvoll, um zunächst noch weitere Erfahrungen mit den Zweinutzungshühnern sammeln zu können, Euch aber auch möglichst zuverlässig Eier liefern zu können.
Es gäbe noch Vieles zu erklären, dies soll ein Überblick über den Hintergrund unserer Entscheidung für eine verstärkte Haltung von Zweinutzungsrassen sein.